Esfahan - Große Verneigung, Erleuchtung, aber auch Verwunderung überkommen einen bei den Kulturschätzen dieser Stadt. Was für Gegensätze in Raum, Zeit und Erleben. Aus dem hitzig engen, verwinkelten Basar eröffnet sich plötzlich der Imam Platz, erbaut Ende des 16. Jahrhunderts und mit den gigantischen Ausmaßen von 512 mal 159 Meter der drittgrößte Platz weltweit. An seinen Arkaden liegen die schönsten Moscheen und Paläste, stolz und demütig zugleich. Sie verblüffen mit ihren feinen, genialen Details, die auch den abgeklärtesten Designer sprachlos machen. Unweigerlich kommen Fragen auf: Islamische Ornamentik erscheint uns Europäern in Hinblick auf unsere eigene Kunst- und Kulturgeschichte, hochmodern und minimalistisch. Wie sehen es die Gestalter und Architekten im heutigen Iran, in der islamischen Welt generell? Welches Verständnis hat man von diesen über Jahrhunderte hochentwickelten Gestaltungsformen? Wo überhaupt findet sich hier zeitgenössisches Design? Wir suchen. Das grellbunte Kinderspielzeug, die Polyestermode aus Fernost und das Lokal im traditionellen Stil können es nicht sein. Eine Grundsatz-Melancholie macht sich breit und die aufkeimenden Gedanken werden wieder globaler: Wo sind in der heutigen Gestaltung, die Sensibilität und Vollkommenheit vergangener Zeiten geblieben?! Die Antworten stehen noch aus. Abwarten und Tee trinken. Das lässt es sich in Esfahan mit seiner inspirierenden und menschlichen Atmosphäre zweifelsfrei sehr gut.